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04./05.12.2010 

Täglich ein Stück Lebenslust

Die Trophäe für den Deutschen Schokologie Preis 2010 wurde von GLASFOTO.COM entwickelt und produziert. Gewonnen hat ihn die italienische Schokolade "Domori Porcelana". Über den langen Weg zur Verleihung berichtet der folgende Zeitungsartikel.

 

Die Deutschen sollen mehr genießen, sagt Psychologin Ilona Bürgel. Deshalb hat sie die Schokologie und einen süßen Preis erfunden.

 

Von Katrin Saft

 

Sie fühlt sich an wie eine Extraportion Glück auf der Zunge - die perfekte Symbiose von Kakao und Zucker. Zart schmilzt sie dahin, erweckt ein Aromafeuerwerk - ganz kurz nur, viel zu kurz - und hinterlässt Zufriedenheit, für einen Moment. Höchste Punktzahl für die Kostprobe auf Teller Nummer drei.

 

Ilona Bürgel Optimistin und Schokoladenfan Ilona Bürgel aus Dresden lobt den Deutschen Schokologie Preis aus.

 

Ilona Bürgel spült mit Wasser nach und riecht an Probe vier. Ein Hauch von Frucht, aber von welcher? Wie entwickeln sich Aromen und Konsistenz im Mund? Wie ist der Abgang? Was schon beim Wein schwerfällt, scheint bei Schokolade fast unmöglich: feine Geschmacksnuancen zu unterscheiden und in Worte zu fassen. Ein bisschen zu hart das Stück, ein wenig zu staubig im Rachen. Punktabzug für Nummer vier.

 

Acht Schokoladen wird Bürgel an diesem Abend verkosten: riechen, schmecken, bewerten. Ihr Urteil hat Gewicht, denn es geht um einen Preis: un den ersten Deutschen Schokologie Preis. Die ungewöhnliche Ehrung ist mehr als eine Auszeichnung für die köstlichste Schokolade. Sie steht symbolisch für ein Lebenskonzept. "In einer Zeit voller Hektik und Stress will ich Menschen ermutigen, ihr persönliches Wohlbefinden wieder in den Mittelpunkt zu rücken", sagt die Dresdner Psychologin, die den Preis erschuf. "Genießen Sie wieder! Gönnen Sie sich ein gutes Leben wie eine gute Schokolade. Denn glückliche Menschen leben länger und gesünder, sind produktiver und können Krisen besser meistern. Der Schokologie Preis - eine Ode an die Freude.

 

Rita Glück Beim Schokoladentest.
 

Zum Billigprodukt degradiert
 
Das klingt ein wenig wie aus einem dieser Lehrbücher für positive Psychologie, die es regelmäßig auf die Bestsellerlisten schaffen. Doch Bürgel selbst ist der Beweis, dass das Prinzip funktioniert. Die 46-Jährige hat promoviert, coacht Unternehmer, hält Vorträge, schreibt Bücher und Kolumnen. Sie gründet in Dresden einen Verein für unerschütterliche Optimisten und führt ein Forum für Erfolgsfrauen an. Mit ihrem knallroten Lippenstift unterstreich sie ihre Lebenslust. Und sie liebt Schokolade - für Bürgel kein verbotener Dickmacher, sondern süßes Aspirin gegen Lebensfrust. "Essen Sie dunkle Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakao", sagt sie. Die habe zwar auch Kalorien, beeinflusse aber den Blutzuckerspiegel kaum. Ergo werde wenig Insulin ausgeschüttet, und das Fett lande nicht auf den Hüften.
 
Die Anwärter auf den Schokologie Preis haben allesamt über 65 Prozent Kakao - keine zugesetzten Aromen, keine Cerealien wie Rosinen oder Nüsse, kein Alkohol. Purer Genuss, der aus der Bohne kommt.
Mit 9,1 Kilo im Jahr sind die Deutschen neben den Belgiern und Schweizern Spitzenreiter im Schokoladenkonsum. Kein Titel, auf den sie automatisch stolz sein dürfen. Denn Schokolade verkommt bei uns immer mehr zum billigen Massenprodukt. Keine Achtung mehr für den wertvollen Rohstoff Kakao, dessen Preis Spekulanten an der Börse in die Höhe treiben. Kein respekt vor der aufwendigen Verarbeitung und Veredlung. Was füher besonderen Anlässen vorbehalten war, stapelt sich heute als Centware im Discounter. Der Reiz und das Geheimnisvolle sind dahin. Filme wie "Chocolat" mit Juliette Binoche lassen die Magie nur noch erahnen.
 
Thomas Pape demonstriert den Unterschied zwischen Schokolade essen und Schokolade genießen. Andächtig schiebt er sich Probe Nummer fünf in den Mund und spürt den Aromen nach. Seit 20 Jahren beschäftigt sich Pape professionell mit der Nascherei. Für Schokoladenguru Hans Imhoff, dem die Firma Stollwerck gehörte, hat er in Köln ein Schokoladenmuseum aufgebaut. Jetzt sitzt er im Dresdner Nobelhotel Bülow Residenz in der Jury und hofft, dass der neue Preis der Schokolade wieder die Aufmerksamkeit beschert, die sie verdient. Denn Schokolade herstellen sei eine Kunst.
 
Verkaufsmarkt Austauschfett
 
Die Kunst beginnt beim Kakaobaum, der nur in tropischen Gefilden wächst. "Ähnlich wie beim Wein gibt es unterschiedliche Varietäten, die über die Qualität mitbestimmen", sagt Pape. Die hochwertigsten und damit teuersten Kakaos liefere der Criollo - eine Edelsorte, die aus Mittelamerika stamme. Die afrikanischen Kakaos seien meist Konsumkakaos. Aus den Samenkernen der Früchte werden nach Fermentieren und Trocknen die Kakaobohnen gewonnen. Nur die besten Bohnen taugen für die beste Schokolade: je größer, je teurer. Die Kakaopreise sind in den letzten Jahren explodiert, denn die Nachfrage wächst und die Produktion sinkt - wie zum Beispiel durch den Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste, dem weltweit größten Kakaolieferanten.
 
Der Rohkakao wird geröstet, gebrochen und gemahlen, bis eine tiefbraune, flüssige Kakaomasse entsteht - der wichtigste Bestandteil einer guten Schokolade. Durch Pressen der Masse tritt Kakaobutter aus, die je nach Sorte zugegeben wird. "Kakaobutter zählt zu den wertvollsten Pflanzenfetten", sagt Pape. In Ländern wie Großbritanien und Österreich darf sie teilweise durch billigere Fette erstezt werden. Mit der EU-Angleichung ist das jetzt auch in Deutschland erlaubt - allerdings bis höchstens 5 Prozent und deutlich auf der Verpackung vermerkt. Pape: "Es gibt bei uns keinen Hersteller, der mit Austauschfett arbeitet. Das wäre ein Verkaufshindernis, selbst wenn der Laie den Unterschied gar nicht schmeckt."
 
Trend zu mehr Austauschfett
 
Das Geheimnis einer genussvollen Schokolade liegt in der Mischung der Zutaten: Kakaomasse, Zucker, Milch- und Sahnepulver, dazu oft auch Nüsse und Gewürze. Aus den Anteilen leitet sich die Bezeichnung ab: Bei 30 Prozent Kakaomasse steht "Vollmilchschokolade" auf der Tafel, ab 60 Prozent "Bitterschokolade". Zwar greift die Mehrheit immer noch zu den Schokoladen mit viel Milch. "Doch der Trend geht zu dunkleren Sorten mit Kakaoanteilen bis zu 90 Prozent", sagt Pape. Das Wörtchen "bitter" findet er unpassend für diese Schokoladen. "Würzig trifft es mehr", sagt er und zeigt auf Proben sechs und sieben. Obwohl beide Schokoladen den gleichen Kakaogehalt haben und ohne Zusätze auskommen, schmeckt Nummer sechs nach einem Hauch von Kirsche, während Nummer sieben ein wenig an Weihnachten erinnert. "Das liegt in der Hand des Chocolatiers", sagt Pape. "Für mich agiert er wie ein Bildhauer: Er bearbeitet einen rohen Block so lange, bis das gewünschte Ideal übrig bleibt."
 
"Jeder Zehnte lügt"
 
Eva Haubold versucht sich täglich als Bildhauerin. In Dresden führt sie einen Schokoladenladen mit Manufaktur. "Ich kreiere Pralinen zum Beispiel mit Pesto oder rotem Pfeffer", sagt sie. Haubold trifft damit den Zeitgeschmack. Es wird wieder mehr experimentiert - mit Chili, Kardamom oder Anis. In Großstädten wie Berlin entstehen kleine, feine Schokoladenklubs, die sich nach französischem Vorbild dem Genuss hingeben.
 
Auch Haubold gehört zur Schokologie-Jury. "Neun von Zehn Deutschen behaupten, dass sie Schokolade lieben. Jeder Zehnte lügt", sagt sie. Zweimal hat sich die Jury inzwischen getroffen und 18 Sorten aus fünf Ländern probiert. Die sechs Besten kommen am 14. Dezember ins Finale. Überraschung selbst für die Profis: Mit der Trinidad Edelbitter schafft es ausgerechnet die preisgünstigste Schokolade in die Endrunde - mit 75 Prozent Kakao und einer leichten Note von grünem Tee. Eine willkommene Portion Glück in einer krisengeplagten Zeit - ganz nach Psychologin Bürgels Geschmack.

 
Fotos: Infozentrum Schokolade
 
www.infozentrum-schoko.de