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13.06.2006

Sächsische Zeitung

Der Abbilder des Raums

Existenz. Mit seinen dreidimensionalen Fotos in Glas macht ein Dresdner Gründer auf sich aufmerksam.

 

Ulrich Wolf

Architektonisch gesehen hat das neue Kugelhaus in Dresden nur bedingt etwas mit seinem Vorgänger zu tun: Der stand von 1928 bis 1938 im Großen Garten der Stadt Dresden, wurde von den Nazis als "entartete Kunst" gebrandmarkt.

Im neuen Gebäude gegenüber dem Dresdner Hauptbahnhof wird die Kugel von einem viergeschossigen Gebäude umschlossen - und es gibt eine Tiefgarage. Wer die Rolltreppe hinabfahren will, der stößt zuvor auf einen eher unscheinbaren Laden. Dieser könnte noch am ehesten zu der Technik-Begeisterung passen, die auch den Erbauern des alten Kugelhauses 1928 eigen war.

 

Robert Schennerlein

Robert Schennerlein holte aus der Medizintechnik die Idee, dreidimensionale Abbildungen als Geschenk zu vermarkten.
 
Foto: Ronald Bonß

 

"Glasfoto.com" heißt das Geschäft. Es gibt kein Hinweisschild, keine Informationstafel. Nur einen werbenden Schriftzug, unmittelbar neben dem Zugang zur Tiefgarage. Etwas verschüchtert, sympatisch lächelnd, zurückhaltend und doch auffallend, steht dort Robert Schennerlein: Ideengeber, Existenzgründer und Geschäftsinhaber.

27 Jahre zählt der Mann. Nicht mal zwei Jahre ist es her, dass er seine Diplomarbeit beendete über "Scanner-Technik im medizinischen Bereich". Ein wenig verlegen erzählt er, er habe über Atemmasken für Betroffene der Schlafpnoe geforscht und diese so individuell gestalten wollen, dass sie nicht mehr an die Nase oder unter den Augen drückten. "Dazu haben wir die Gesichter gescannt und daran dann die Masken angepasst." Das wäre zwar auch mit Gips gegangen, aber bis der trocken sei, vergingen fünf Minuten. "Ein Scanner braucht nur drei Sekunden", sagt Schennerlein.

Der Scanner brachte ihn auf die "Glasidee". "Ich fragte Patienten, ob sie von sich für ihre Bekannten ein dreidimensionales Foto wollten. Die Zustimmung war groß." Schennerlein ließ die gescannten Aufnahmen mittels Laser in einen Glasquader fräsen. Ähnlich einem Hologramm ist das Gesicht eines Fotografierten in Glas gebannt - nur dass es von jedem Blickwinkel aus drei Dimensionen hat. Die Aufnahme bestehe aus rund 150 000 Einzelpunkten, erklärt der Jungunternehmer. "Das sieht erst mal aus wie Akne." Und doch sei es nur ein Datensatz. Die Lasermaschine erfasse jeden Punkt und brenne dann alles ins Glas.

"Das habe ich dann vor Weihnachten im Kaufpark Nickern ausprobiert - und in nur drei Wochen mehr als 400 Würfel verkauft." Sein Standart-Glasquader misst fünf mal fünf mal acht Zentimeter und kostet samt Foto 39,90 Euro.

Nach dem weihnachtlichen Verkaufserfolg legte Schennerlein los. Er feilte ein Geschäfts- und Vertriebsmodell, schrieb einen Geschäftsplan - und bekam prompt Geld von einer Privatbank und Beteiligungskapital von einem Privatmann. Das wird er brauchen: Die Investitionen für Technik und Geschäft beziffert Schennerlein auf rund 250 000 Euro.

Den Laden im Kugelhaus mit drei Verkäuferinnen hat er seit dem 2. Juni, den Bürokram macht er von einem kleinen Zimmer in einem Dresdner Bürohaus aus. Drei weitere Verkaufsgeschäfte sind in Planung. Erste Firmen haben die Glasquader als Werbegeschenk entdeckt. Auch Schennerleins nächstes Projekt steht fest: "Sternzeichen mit persönlicher Widmung in sehr individualisierter Form".

 

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